Valentinstag, Paartherapie, Paar-Coaching
Ja ist denn schon wieder Valentinstag?
9. Februar 2018
Novus Via im Ärzteblatt
7. März 2018
Psychologie hinter Anti-Helden

Die Psychologie hinter dem Konzept des Anti-Helden
von Paula Patridge

Mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts finden sich in fiktionalen Werken zunehmend mehr Hauptcharaktere, die dazu neigen, nicht immer ganz moralisch zu handeln. Figuren wie Jay Gatsby, James Bond oder Michael Corleone rückten in den Mittelpunkt des Geschehens, und zwar ohne dabei Recht und Ordnung zu befolgen, sondern viel eher, indem sie das Gesetz brachen und ihren persönlichen Vorstellungen entsprechend handelten. Damit stehen sie im starken Gegensatz zu den klassischen Helden, wie man sie bspw. bei Goethe oder Schiller oder auch in den Mythen der alten Griechen findet.

Obwohl jene Charaktere klassischerweise als gesellschaftlich Ausgegrenzte gelten, schenken wir ihnen nur zu gern unsere Aufmerksamkeit. Sie legen häufig antisoziales Verhalten an den Tag, und dennoch, erscheint es uns, als ob sie mit ihrem Handeln im Recht sind. Diese sogenannten Anti-Helden erreichen es tatsächlich, heroische Taten zu vollbringen, allerdings nur mit Methoden und Herangehensweisen, die alles andere als heroisch sind.

Warum empfinden wir Anti-Helden nun aber als so faszinierend?

Die moralische Komplexität eines Anti-Helden gleicht unserer eigenen viel mehr als die eines engelsgleichen Helden, der nur Gutes im Sinne hat. Genauso wie wir haben Anti-Helden Fehler; sie entwickeln sich, lernen aus Fehltritten und sind nicht vollkommen. Wir wollen, dass sie ihre Ziele erreichen und zeigen uns besorgt, wenn sie für ihre Missetaten zahlen müssen. Anti-Helden können uns überraschen, uns enttäuschen, aber sie sind alles andere als vorhersehbar.

Indem sie die Zwänge und Erwartungen der Gesellschaft zurückweisen, schenken sie auch uns ein Gefühl von Freiheit. Anti-Helden sind gewissermaßen die Verkörperung der Stimme, die sich gegen Missstände ausspricht. Sie tun ihrer (und unserer) Meinung nach das „Richtige“, auch wenn es gesetzlichen Regelungen nach falsch ist. Damit tun sie all jenes, wovor wir selbst zu viel Angst haben. Sie machen, was sie wollen und bleiben sich selbst treu. Daher bewundern wir sie so sehr.

Anti-Helden grenzen sich von reinen Schurken dadurch ab, dass sie zwar unethisches oder illegales Verhalten zeigen, aber ein wünschenswertes, nobles Ziel verfolgen, was dem Allgemeinwohl dient oder altruistisch motiviert ist. Wenn Breaking Bads Walter White z.B. zum mordenden Drogenboss wird, stehen wir immer noch auf seiner Seite, denn er hat ja Krebs und möchte seine Familie beschützen und finanziell absichern… Walter White erscheint uns sympathisch, denn auch wir würden manchmal alles für unsere Familie tun – zumindest in unserer Vorstellung. Auch wenn ein Anti-Held egoistisch handelt, möchten wir ihn lieber in einem positiven Licht sehen, wenn die Geschichte dadurch ein gutes Ende erfährt.

Beispiele für bekannte Anti-Helden sind der berüchtigte Detektiv Sherlock Homes, Harry Potters fieser Lehrer Professor Snape, Ex-CIA-Agent Jason Bourne, Captain Jack Sparrow, Politiker Frank Underwood, Mad Man Don Draper, der Punisher, Deadpool oder der Serienkiller Dexter Morgan.

Zuschauer oder Leser, die in Geschichten in erster Linie Vergnügen suchen, sind besonders dazu geneigt, unmoralisches Verhalten zu rechtfertigen und damit dem Charme des Anti-Helden zu erliegen. Leute, die dahingegen eher daran interessiert sind, in der Geschichte einen tieferen Sinn zu finden, haben weniger Toleranz für das negative Verhalten, und finden dadurch auch weniger Gefallen and dem Charakter des Anti-Helden. Selbst Walter White kann also nicht jeden um den Finger wickeln!