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Das geht in hochsensiblen Menschen vor - novus-via.de
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Hochsensibel

Das geht in hochsensiblen Menschen vor
von Maxi Melichar

Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, der weiß, dass es recht laut werden kann. In einer Berliner S-Bahn findet man immer eine Gruppe von Personen, die sich ausgelassen unterhält, oder jemanden, der sein Gespräch am Telefon in einer solchen Lautstärke führt, dass er noch einen Wagon weiter gehört werden kann. Dazu kommen noch Menschen mit Kopfhörern, deren Musik so laut ist, dass man jedes Wort im Lied verstehen kann, selbst wenn man 2 Plätze weiter sitzt. Irgendwo fängt dann noch ein Kind an zu weinen, ein Hund zu bellen oder eine Gruppe von Musikanten an zu spielen. Außerdem sind da natürlich immer noch die Geräusche und Vibrationen des Motors, je nach Wetter auch noch das Heulen des Windes oder das Aufschlagen von Regentropfen.

In der Regel gewöhnen wir uns an all diese Reize und unser Gehirn filtert die Informationen raus. Der Sinn hinter diesem Mechanismus besteht darin, dass wir uns auf andere Dinge konzentrieren können und nicht von unserer Umwelt überwältig werden. Irgendwann nimmt man das Summen des Motors nicht mehr wahr, oder ignoriert die Ansage der Haltestelle, wenn man die Strecke jeden Tag zurücklegt.

Aber das geht nicht allen Menschen so. Schätzungsweise 15 bis 20% der Bevölkerung gelten als hochsensibel. Das heißt: Sie nehmen bestimmte Aspekte der Welt stärker wahr als ihre Mitmenschen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Krankheit, sondern mehr um einen Charakterzug. Außerdem ist hochsensibel nicht gleich hochsensibel. Einige Betroffene können zum Beispiel ohne Probleme mit Lärm umgehen, sind aber besonders lichtempfindlich, während einige Gerüche stärker wahrnehmen. Auch die Intensität der Wahrnehmung kann sich unterscheiden. So kann derselbe Reiz einer betroffenen Person „nur“ sehr unangenehm sein, bei einer anderen aber beispielsweise Schmerzen auslösen.

Grund dafür sind Besonderheiten im Nervensystem und in der Verarbeitung der Informationen. Der Filter, der es uns erlaubt, sich an gewisse Reize zu gewöhnen, ist bei sogenannten HSP (HochSensiblen Personen) schwächer ausgeprägt. Das hat zur Folge, dass sie mehr Informationen aufnehmen und diese auch intensiver erleben. Sie können zwar deswegen mehr Reize verarbeiten, auch bezüglich ihrer inneren Gedanken- und Erlebniswelt, sind andererseits aber schneller nervlich überlastet.

Bereits in der Kindheit wird den meisten HSP bewusst, dass sie anders sind als andere. Häufig beteiligen sie sich nicht am Herumtoben und bevorzugen ruhigere Spiele. Wenn es ihnen zu viel wird, ziehen sie sich zurück und schauen den anderen beim Spielen zu. Eltern und auch Lehrer reagieren darauf oft besorgt und versuchen ihr Kind dazu zu bewegen, sich an den Aktivitäten zu beteiligen. Dabei üben sie unbewusst Druck auf den Nachwuchs aus. Das Gefühl, nicht so in Ordnung zu sein, wie sie sind, beginnt sich einzuschleichen.

Auch im späteren Leben werden die Hindernisse nicht weniger. Betroffene werden von ihrem sozialen Umfeld häufig nicht verstanden. Wer sich vorzeitig von einem Treffen verabschiedet, weil er Ruhe benötigt, wird oft als unhöflich oder Jammerlappen abgestempelt. Für das Selbstbewusstsein ist das natürlich reines Gift. Versuche, sich anzupassen oder die eigenen Grenzen zu überschreiten, resultieren ebenfalls in Stress. Häufig haben HSP mit Selbstzweifeln zu kämpfen, da sie einfach nicht in die Gesellschaft zu passen scheinen.

Als ein regelrechter Schlag der Erlösung empfinden es dann viele hochsensible Menschen, wenn sie erfahren, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Über Internetforen können sie Kontakte mit Leuten knüpfen, die ähnliche Erfahrung gemacht haben, wie sie selbst. Für viele Personen, die sich fast vollständig aus ihrem Sozialleben zurückgezogen haben, kann das der erste Schritt zu einem besseren Leben sein. Allerdings ist es wichtig, sich auch mit wenig-sensiblen Menschen zu umgeben und zu lernen, sich in der schnelllebigen Welt von heute zurechtzufinden.

Es gibt Hilfsmittel, mit denen Reize zumindest abgeschwächt werden können, wie spezielle Sonnenbrillen oder Kopfhörer, die den Lärm der Außenwelt dämpfen. Empfehlenswert ist auch ein spezifisches Training, in dem HSP lernen, ihre Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu kontrollieren. So erwerben sie die Fähigkeit, störende Reize bewusst auszublenden. Mit Mediations- und Entspannungsübungen kann außerdem Stress abgebaut werden, der sich nach einem langen Tag der Überstimulation aufbaut.

Neben den Schattenseiten gibt es aber auch durchaus positive Effekte der Hochsensibilität. Durch ihre „Wahrnehmungsbegabung“, sind HSP oft in gewissen Gebieten wahre Überflieger. Ein besonders feines Gespür für die Gefühle und Stimmungen anderer kann sich in sozialen Berufsfeldern als hilfreich erweisen, während HSP mit gutem Gespür für Musik und Kunst sich in diesen Branchen beweisen können.

Wenn Sie mehr über Hochsensibilität in Erfahrung bringen möchten, können sich auf folgenden Webseiten weiter damit beschäftigen:

https://www.zartbesaitet.net/

http://www.hochsensibel.org/

Vermuten Sie, dass sie selbst oder ihr Kind hochsensibel sind, gibt es hier einen kostenlosen Test:

http://www.hochsensibel-test.de/

Bitte beachten Sie: Überempfindlichkeit auf äußere Reize können auch auf Krankheiten zurückzuführen sein. Lassen Sie sich im Zweifel noch einmal von ihrem Hausarzt untersuchen.