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Winterdepression

Eine Anleitung zur Erkennung und Behandlung von SAD (Seasonal Affective Disorder)

Wenn die Tage kürzer werden und das Wetter kälter, ziehen wir uns gerne mal zurück und setzen uns lieber vor den Fernseher, anstatt mit Freunden auszugehen oder an Projekten weiterzuarbeiten. Die Welt erscheint plötzlich grauer als zuvor und uns überfällt ein starkes Verlangen nach Schokolade. So ergeht es vielen Menschen. Doch woran erkennt man, ob sich das Trübsalblasen zu einem ernsten Problem ausweitet?

Bei der Winterdepression oder der Seasonal Affective Disorder, kurz SAD, handelt es sich um eine Unterform der Depression, deren Eintreten mit dem Wechsel der Jahreszeiten, v.a. mit dem Übergang von Sommer zu Herbst, verbunden ist.

Was sind die Symptome von SAD?

Die Diagnosekriterien der Winterdepression ähneln denen einer gewöhnlichen Depression. Dazu gehören zum Beispiel:

  • eine depressive Verstimmung, die über mehrere Tage anhält
  • allgemeine Lustlosigkeit und Energieverluste
  • verlängerte Schlafenszeiten
  • verstärkter Appetit auf Kohlenhydrate
  • Interessensverlust an Dingen, die einem gewöhnlich Freude bereiten
  • sozialer Rückzug oder Beziehungsschwierigkeiten
  • Selbstmordgedanken

Bei Personen mit einer Winterdepression treten diese Symptome meist mit dem Herbstbeginn auf und schwächen zum Anfang des Frühlings hin wieder ab. Wenn Sie jene Anzeichen bereits seit mehreren Jahren und immer zu ähnlichen Zeiten im Jahr bei sich beobachten konnten, dann ist es möglich, dass Sie an SAD leiden.

Welche Ursachen hat die Störung?

Was die genauen Ursachen für SAD sind, ist bislang noch umstritten, eine Hauptannahme ist jedoch, dass der Zustand durch ein Ungleichgewicht im Serotonin-Melatonin-Stoffwechsel ausgelöst wird. Durch die reduzierte Sonneneinstrahlung, bildet der Körper in verringerten Maßen Serotonin, einem Molekül, das eine stimmungsaufhellende Wirkung hat. Gleichzeitig steigen die Melatonin-Werte an, was das Schlafbedürfnis erhöht. Diese Bedingungen begünstigen das Auftreten von SAD-Symptomen.

Außerdem scheint es auch eine genetische Komponente beim Auftreten von SAD zu geben: die Störung findet sich vermehrt bei Personen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, wie ausgeprägtem Neurotizismus, sozialer Verträglichkeit oder Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen.

Laut einer evolutionsbiologischen Theorie hat die Winterdepression sogar eine schützende Funktion: Durch die Schonung der eigenen Ressourcen und durch eine Gewichtszunahme (z.B. durch verminderte Aktivität und gesteigerten Appetit) wird das Überleben im Winter gesichert. Da wir in unserer modernen Gesellschaft jedoch nicht mehr auf diese Bedingungen angewiesen sind, kommt es zu problematischen Folgen.

Ab wann sollte ich mich um Hilfe bemühen?

Jeder fühlt sich mal niedergeschlagen oder unmotiviert. Wenn die Symptome jedoch mehrere Tage lang anhalten und ein solches Ausmaß erreichen, dass Ihr alltägliches Leben maßgeblich davon beeinträchtigt wird, dann ist es Zeit, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dies trifft besonders dann zu, wenn Sie versuchen, die Symptome mit Alkohol o.ä. zu „behandeln“, oder Suizidgedanken haben.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine besonders einfache, wenig aufwändige Art der Behandlung von Winterdepressionen ist die Verschreibung von Antidepressiva. Deren Wirkung ist nachgewiesen, allerdings kann eine Weile vergehen, bis die gewünschten Effekte eintreten. Auch sollten mögliche Nebenwirkungen beachtet werden.

Eine weitere Behandlungsform ist die der Psychotherapie. Ein einfaches Gespräch kann manchmal Wunder wirken. Der Austausch mit einem geschulten Therapeuten kann helfen, negative Denkmuster zu erkennen und zu lösen sowie Verhaltenstechniken zu finden, mit denen die Symptome bewältigt und Gefühle der Lebensfreude wiedergefunden werden können.

Auch eine Lichttherapie kann helfen. Bei dieser Behandlungsart wird der Patient einer Lichtquelle ausgesetzt, die ähnliche Effekte wie natürliches Licht hervorruft und so die chemischen Prozesse im Gehirn anregt, die für ein Aufhellen der Stimmung verantwortlich sind. Lassen Sie sich zuvor jedoch unbedingt von einem Arzt beraten und achten Sie darauf, dass sie bei eventuellen Käufen von solchen Speziallampen ein sicheres und wirksames Gerät wählen.

In jedem Fall möchten wir Sie bei Verdacht auf eine vorliegende Winterdepression dazu ermutigen, sich professionelle Hilfe zu suchen und sich vor der Einleitung jeglicher Behandlungsformen ausführlich beraten zu lassen. Ein Stimmungstief müssen Sie nicht alleine aussitzen! Überlegen Sie sich, wie Sie dagegen vorgehen können – manchmal kann schon ein kurzer Spaziergang in der Sonne oder eine Runde Sport helfen. Suchen Sie sich Unterstützung und leben Sie ein glücklicheres Leben, egal welche Jahreszeit bevorsteht!

Paula Patridge

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